In der letzten Veranstaltung unserer Reihe „Queere Archive & Aktivismus“ lesen Herausgeberin Lara Ledwa und Übersetzer*in Desz Debreceni aus "Begehren und Widerstand", der ersten auf Deutsch erschienen Textsammlung der Autorin und Aktivistin Joan Nestle. Das Buch konnte durch ein erfolgreiches Crowdfunding und Ehrenamt realisiert werden und wurde in enger Zusammenarbeit zwischen fünf Übersetzenden, der Herausgeberin, dem Verlag und Joan Nestle selbst kollektiv umgesetzt. Es versammelt 25 Texte aus den beiden vergriffenen Kultbüchern „A Restricted Country“ (1987) und „A Fragile Union“ (1998), die bisher nicht auf Deutsch zugänglich sind.
JOAN NESTLE wurde 1940 in New York geboren und wuchs in der Bronx mit ihrer alleinerziehenden Mutter auf. Sie ist Autorin der vergriffenen Bücher „A Fragile Union“ und „Restricted Country“ und Herausgeberin zahlreicher Anthologien. 1974 hat sie zusammen mit eine Gruppe von queeren Menschen die Lesbian Herstory Archives in New York gegründet, das heute zu den größten lesbischen Archiven weltweit gehört. Das Projekt gehört zur Radical-Archivists-Bewegung und startete in Joan Nestles Wohnzimmer, bis das Archiv ihre gesamte Wohnung füllte und es 1993 nach Brooklyn in eigene Räumlichkeiten umziehen konnte.
Seit den 60ern ist Joan Nestle in Bewegungen aktiv: Bürgerrechtsbewegung, lesbisch-schwule, feministische, queere und Pro-Sexwork-Bewegungen. Von Anfang an stand sie für Intersektionalität ein und kämpft jeher für die Bündelung von Kräften und Verbindung von Communitys. Aus lesbisch-feministischen Räumen wurde sie immer wieder ausgeschlossen, sei es aufgrund ihrer transinklusiven Haltung oder aufgrund ihrer Sex-Stories, die von vielen als pornografisch und unfeministisch abgestempelt wurden.
Joan Nestle schreibt mitreißende, kluge, kämpferische und liebevolle Essays und Kurzgeschichten. Diese
erzählen von der Vielfalt lesbisch-queerer Geschichte. Immer waren Diskriminierungskritik und intersektionaler Aktivismus zentral für ihre Arbeit — gerade auch innerhalb feministischer und lesbischer Communitys. So berichtet sie von queerfeindlichen Razzien seit den 1950er Jahren, der Schwarzen Bürgerrechtsbewegung oder Gewerkschaftsdemos. Beim Aufwachsen in der Bronx, New York, sind ihre größten Vorbilder ihre alleinerziehende Mutter Regina und Mabel Hampton, die sie als lebenslange Freundin, Aktivistin und Archivkollegin begleitet. Weitere Held*innen ihrer Texte sind Butches und Femmes, Genoss*innen und Sexarbeiter*innen, Joan und ihre Lovers. Von letzteren erzählen auch ihre Sex-Storys, die sie als „erotic memoirs“ beschreibt. Spielerisch sind hier Körper, Gender-Performance und Macht verwoben.
Joan Nestle formuliert mit einer klaren und berührenden Sprache, wo Widerstand gefordert ist, welche Macht queeres Begehren hat und wie wichtig es ist, Gemeinschaft zu finden.
Queere Archive sind mehr als Aufbewahrungsorte. Sie bergen Dokumente der Community, die sonst in Vergessenheit geraten oder weggeschmissen würden. In Formaten wie dieser Textsammlung einer der Gründerinen des Lesbian Herstory Archives in New York City werden sie lebendig, aktualisiert und mit gegenwärtigem queeren Aktivismus verknüpft. So werden Archive selbst zu Orten des Widerstands, des Nachdenkens und der kollektiven Selbstermächtigung.
Mit dieser Veranstaltung möchten wir sichtbar machen, wie tief das Verhältnis von queeren Archiven und Aktivismus reicht – und warum queere Archive einen inhärent widerständigen Charakter haben. Sie fordern dominante (Stadt-) Geschichtsschreibungen heraus, ermöglichen andere Narrative und machen erfahrbar, wie Erinnerungskultur queer gedacht und gestaltet werden kann.




Urheber*in: Morgan Gwenwald
Urheber*in: Saskia Scheffer
Urheber*in: privat
WANN? Samstag, 22.11.2025 um 19:00 Uhr
WO? LSKH Queeres Kulturhaus (EG), Klingerstraße 6, 60313 Frankfurt
EINTRITT auf Spendenbasis
LARA LEDWA interessiert sich für lesbisch-queere Geschichte, linke Politiken, unterhaltsame Romane und Reality-TV. Lara arbeitet u. a. im Spinnboden Lesbenarchiv. 2019 wurde ihre Forschung über das Lesbische Aktionszentrum Westberlin (1970er Jahre) als Buch veröffentlicht.
DESZ DEBRECENI studierte Anglistik und Literaturübersetzen in Utrecht, Münster und Düsseldorf und übersetzt und lektoriert Prosa und Lyrik aus dem Englischen. Kämpferische queere Geschichten und Geschichte liest und übersetzt dey am liebsten.
Das EG ist mit einer Rampe für barrierearmen Zugang ausgestattet.
Mehr zum Verlag etece findet ihr auf Instagram und auf der Webseite.
Mehr zu Desz Debrecenis Arbeit findet ihr auf Instagram und der Webseite.

In der letzten Veranstaltung unserer Reihe „Queere Archive & Aktivismus“ lesen Herausgeberin Lara Ledwa und Übersetzer*in Desz Debreceni aus "Begehren und Widerstand", der ersten auf Deutsch erschienen Textsammlung der Autorin und Aktivistin Joan Nestle. Das Buch konnte durch ein erfolgreiches Crowdfunding und Ehrenamt realisiert werden und wurde in enger Zusammenarbeit zwischen fünf Übersetzenden, der Herausgeberin, dem Verlag und Joan Nestle selbst kollektiv umgesetzt. Es versammelt 25 Texte aus den beiden vergriffenen Kultbüchern „A Restricted Country“ (1987) und „A Fragile Union“ (1998), die bisher nicht auf Deutsch zugänglich sind.
JOAN NESTLE wurde 1940 in New York geboren und wuchs in der Bronx mit ihrer alleinerziehenden Mutter auf. Sie ist Autorin der vergriffenen Bücher „A Fragile Union“ und „Restricted Country“ und Herausgeberin zahlreicher Anthologien. 1974 hat sie zusammen mit eine Gruppe von queeren Menschen die Lesbian Herstory Archives in New York gegründet, das heute zu den größten lesbischen Archiven weltweit gehört. Das Projekt gehört zur Radical-Archivists-Bewegung und startete in Joan Nestles Wohnzimmer, bis das Archiv ihre gesamte Wohnung füllte und es 1993 nach Brooklyn in eigene Räumlichkeiten umziehen konnte.
Seit den 60ern ist Joan Nestle in Bewegungen aktiv: Bürgerrechtsbewegung, lesbisch-schwule, feministische, queere und Pro-Sexwork-Bewegungen. Von Anfang an stand sie für Intersektionalität ein und kämpft jeher für die Bündelung von Kräften und Verbindung von Communitys. Aus lesbisch-feministischen Räumen wurde sie immer wieder ausgeschlossen, sei es aufgrund ihrer transinklusiven Haltung oder aufgrund ihrer Sex-Stories, die von vielen als pornografisch und unfeministisch abgestempelt wurden.
Joan Nestle schreibt mitreißende, kluge, kämpferische und liebevolle Essays und Kurzgeschichten. Diese
erzählen von der Vielfalt lesbisch-queerer Geschichte. Immer waren Diskriminierungskritik und intersektionaler Aktivismus zentral für ihre Arbeit — gerade auch innerhalb feministischer und lesbischer Communitys. So berichtet sie von queerfeindlichen Razzien seit den 1950er Jahren, der Schwarzen Bürgerrechtsbewegung oder Gewerkschaftsdemos. Beim Aufwachsen in der Bronx, New York, sind ihre größten Vorbilder ihre alleinerziehende Mutter Regina und Mabel Hampton, die sie als lebenslange Freundin, Aktivistin und Archivkollegin begleitet. Weitere Held*innen ihrer Texte sind Butches und Femmes, Genoss*innen und Sexarbeiter*innen, Joan und ihre Lovers. Von letzteren erzählen auch ihre Sex-Storys, die sie als „erotic memoirs“ beschreibt. Spielerisch sind hier Körper, Gender-Performance und Macht verwoben.
Joan Nestle formuliert mit einer klaren und berührenden Sprache, wo Widerstand gefordert ist, welche Macht queeres Begehren hat und wie wichtig es ist, Gemeinschaft zu finden.
Queere Archive sind mehr als Aufbewahrungsorte. Sie bergen Dokumente der Community, die sonst in Vergessenheit geraten oder weggeschmissen würden. In Formaten wie dieser Textsammlung einer der Gründerinen des Lesbian Herstory Archives in New York City werden sie lebendig, aktualisiert und mit gegenwärtigem queeren Aktivismus verknüpft. So werden Archive selbst zu Orten des Widerstands, des Nachdenkens und der kollektiven Selbstermächtigung.
Mit dieser Veranstaltung möchten wir sichtbar machen, wie tief das Verhältnis von queeren Archiven und Aktivismus reicht – und warum queere Archive einen inhärent widerständigen Charakter haben. Sie fordern dominante (Stadt-) Geschichtsschreibungen heraus, ermöglichen andere Narrative und machen erfahrbar, wie Erinnerungskultur queer gedacht und gestaltet werden kann.
WANN? Samstag, 01.11.2025 um 19:00 Uhr
WO? LUQS (2.OG), Klingerstraße 6, 60313 Frankfurt
EINTRITT auf Spendenbasis
LARA LEDWA interessiert sich für lesbisch-queere Geschichte, linke Politiken, unterhaltsame Romane und Reality-TV. Lara arbeitet u. a. im Spinnboden Lesbenarchiv. 2019 wurde ihre Forschung über das Lesbische Aktionszentrum Westberlin (1970er Jahre) als Buch veröffentlicht.
DESZ DEBRECENI studierte Anglistik und Literaturübersetzen in Utrecht, Münster und Düsseldorf und übersetzt und lektoriert Prosa und Lyrik aus dem Englischen. Kämpferische queere Geschichten und Geschichte liest und übersetzt dey am liebsten.
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